Mary Shelley's Frankenstein

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'Ich gab mir schreckliche Mühe, eine Geschichte zu erfinden, die die geheimsten Ängste der menschlichen Natur ansprechen und Schauer des Entsetzens hervorrufen würde - eine, bei der dem Leser davor grauen würde, sich umzublicken, bei der ihm das Blut in den Andern stocken und der Puls schneller schlagen würde'

Schon als Kind hegte Viktor Frankenstein, Sohn einer angesehenen Genfer Familie, den Wunsch, eines Tages die Geheimnisse des Himmels und der Erde zu erforschen. Auf der Suche nach Ruhm verlässt er sein Elternhaus um sich an der Universität Ingolstadt dem Studium der Naturwissenschaften zu widmen. 'Als Pionier will ich neue, unbekannte Kräfte entdecken und vor der Welt die tiefsten Geheimnisse der Schöpfung ausbreiten', ruft der junge Frankenstein aus. Schließlich richtet er sein Hauptaugenmerk auf die Frage nach dem Ursprung des Lebens, auf den Übergang zwischen Leben und Tod und Tod und Leben.

Der Roman 'Frankenstein' von Mary Shelley erschien 1818 erstmals in England. Die erst achtzehnjährige Autorin verbrachte den Sommer des Jahres 1816 in Gesellschaft von Lord Byron und Percy Shelley am Genfer See. Um sich die Zeit zu vertreiben, schlug Lord Byron vor, dass sie alle eine Gespenstergeschichte schreiben sollten. Während Lord Byron und Percy Shelley die Arbeit an den Geschichten gut von der Hand ging, tat sich Mary Shelley schwer, einen Anfang zu finden:

'Erfinden, das muss man in aller Bescheidenheit zugeben, heißt nicht, aus dem Nichts schaffen, sondern aus dem Chaos: Das Material muss zunächst einmal da sein.'

Ihr Material fand sie schließlich in Gesprächen Lord Byrons und Shelleys, denen sie als aufmerksame Zuhörerin folgte. Eines der philosophischen Hauptthemen war dabei die Frage nach dem Ursprung des Lebens und inwiefern es möglich wäre, diesem auf den Grund zu gehen. Dabei sollten im Besonderen die Experimente von Luigi Galvani, der 1780 durch Zufall die Kontraktion präparierter Froschschenkel unter dem Einfluss statischer Elektrizität entdeckt hatte, Eindruck auf die junge Frau gemacht haben. Auf dieser Grundlage wurden im beginnenden 19. Jahrhundert zunehmend galvanische Experimente, zunächst an Tieren, später jedoch auch an menschlichen Leichnamen durchgeführt.

'Vielleicht wäre es denkbar, einen Leichnam wieder zu beleben, oder die Bestandteile eines Lebewesens zusammenzufügen und ihm lebendigen Odem einzuhauchen.'

Diese Idee nahm sie so gefangen, dass sie sich entschloss,  darauf ihre Gespenstergeschichte aufzubauen. Mary Shelleys Debütroman 'Frankenstein' sollte nach dem Wunsch der Autorin die geheimen Ängste der menschlichen Natur ansprechen und Schauer des Entsetzens bei ihren Lesern hervorrufen.

Spiel: Pavel Möller-Lück & Jonathan Went

https://www.theater-laboratorium.org/