Drucken

Hollands bester Chansonier! Konzert: Sa. 22.6. / 20 Uhr
Stef Bos (NL)

Songpoet der Extraklasse vom Format eines Dominique Horwitz, Klaus Hoffmann ...

Konzert im Theater Laboratorium, Kleine Str. 8, 26121 Oldenburg.
Veranstaltungstermin
Sa 22.06.2019 / 20h / Eintritt: 29,- €  / 24,- €

Sänger & Pianist Stef Bos ist in Holland ein Star! Erinnerungen an Jacques Brel und Leo Ferré werden wach!

Seit Hermann van Veen hat kein Sänger mit niederländischen Songs seine Zuhörer so verzaubert wie er. Während van Veen neben seinen Veröffentlichungen in der Muttersprache für sein deutsches Publikum gleichwertig Lieder in deutscher Sprache schreibt und singt, bleibt Stef Bos bei seinen holländischen Wurzeln. Und das ist gut so, denn das holländisch seiner charismatischen Stimme unterstützt von seinem Pianospiel ist Gänsehaut pur. Jeder Atmer zählt. Singt er Chanson, kommen Erinnerungen an Jaques Brel oder Leo Ferré auf. Und damit auch an die frühen Jahre des deutschen Chansoniers Klaus Hoffmann. Bos verstrahlt auf der Bühne eine ähnliche Autorität, auch sind sein Bekanntheitsgrad und sein Bühnencharisma vom Format seines deutschen Pendants. Seine Stimme nimmt das Publikum unabhängig vom Sprachverständnis mit dem ersten Hauch gefangen. Achtung: Suchtgefahr! Stef Bos ist ein Ausnahmekünstler und großer Erzähler! Er moderiert in charmantem Hochdeutsch. Deutschlandexklusiv im Laboratorium! Neue CD: Ruimte / Raum  www.stefbos.nl   /   www.mioch.net

Wer die Texte des Sängers auf ihre von Musik-Journalisten gepriesene Qualität prüfen möchte, suche die Website www.mioch.net  auf, dort hat ein Bremer Fan etliche Lieder ins Deutsche übersetzt und zudem einige Interviews veröffentlicht. Bos gehört zur Kategorie Liedermacher, deren Inhalte durch den sprachlichen Ausdruck und die Atmosphäre der Komposition und des Vortrages fühlbar werden. Seine Ausnahmestimme erinnert an Hörbuch-Erzähler, die uns unabhängig vom Sprachverständnis schon mit dem ersten Satz in ihren Bann ziehen. Seine musikalische Stilistik ist weit gefächert, Chanson, Pop, afrikanische Elemente. Für seine Musik wurde er mit verschiedenen Musikpreisen ausgezeichnet. Zuletzt im Jahr 2000 mit der “Gouden Harp” für sein gesamtes Werk und mit einem “Edison” für sein Album “Zien”.

Interviews unter:
http://www.mioch.net/html/stefbos_interueber.html

Live-Konzert Rezension von Tina Hahn für CARPE DIEM MAGAZINE 05.12.2002

Stef Bos im Theater Laboratorium Oldenburg
Ein Abend Weltmusik mit Potential und Herzblut

Der Wahl-Belgier Stef Bos (Gitarre und Piano), der eigentlich aus Veenendaal (NL) stammt, brachte am Mittwoch Abend im Singers & Players Club in der Oldenburger Wilhelmstraße Weltmusik mit Potential und Herzblut zu Gehör. Ein sehr besonderer Auftritt, denn es war sein erster in einem deutschen Theater und außerdem eine ungewöhnliche Zusammenstellung teils sehr alter, teils noch unveröffentlichter Songs und seiner ganz persönlichen Highlights, keine Theatertour sowie sein niederländisches, belgisches oder südafrikanisches Publikum sie kennt.

Stef Bos verstand es, sein Publikum binnen Sekunden mit Musik und Kabaretteinlagen, u. a. von Pfarrer Bos, in seinen Bann zu ziehen. Er präsentierte eine musikalische Rundreise über unseren Planeten, man spürte seine niederländischen Wurzeln genauso wie seine südafrikanischen und leichte Brel`sche Einflüsse.

Zwischen den einzelnen Nummern versetzte Bos das Publikum zeitweilig 20 Jahre zurück, in seine Studentenzeit, in der er oft in Berlin bei seiner Freundin logierte, die dort studierte, seine Gedanken, als er Jahre nach dem Fall der Mauer die ihm so anders bekannte Stadt wieder einmal besuchte. Hieraus entstand 1998 „Brief uit Berlijn – Lilienthalstraße“ (Brief aus Berlin). Diese Nummer hörte man gestern Abend das erste mal in deutscher, frei übersetzter Fassung von Peter Mioch, die Stef Bos in fließendem Deutsch erklärte und sang.

Das Publikum konnte sich mit den Gedanken von Bos identifizieren, als er deutsche Radiosprecher auf herrlich erfrischend humoristische Weise imitierte oder von John Wayne erzählte, der ja in Deutschland so „fremd“ synchronisiert wurde.

Auch wurden die Zuhörer in das 8.000 km entfernte Süd- und Nordwestafrika entführt. Stef erzählte von seinen Reisen, seinem Besuch an „Witsand“, ein wunderschönes Lied über endlosen Strand und Einsamkeit. Im südafrikanischen Teil vertonte Bos auch ein tiefgehendes Gedicht von Ingrid Jonker, einer leider bereits verstorbenen südafrikanischen Schriftstellerin.

Viele Texte von Stef Bos sind von autobiografischer Natur, u. a. auch „Sporen“ (Spuren). In diesem Lied erzählt Stef von seiner Studentenzeit in Antwerpen und seinem russischen Lehrer, der immer seine Werke korrigierte, der plötzlich nicht mehr da war. „De nachtwaker“ (Der Nachtwächter) erzählte die Geschichte eines Nachtwächters, der in der Schouwburg in Antwerpen gearbeitet hat, der Stef soviele Geschichten aus dem Theaterleben erzählte, der nachts, wenn das Publikum gegangen war, auf der Bühne stand, sein eigenes Theaterstück aufführte, wofür kein Hund bezahlte.

Im französischen Teil sang Stef über „Ginette“, für die er die Pfannen von den Dächern schrie und über die „Rue du Mouftard“ in Paris. Bei diesen Nummern war ein gehöriger Brel-Einfluss zu vernehmen.

Dann erzählte Stef die Geschichte über die Entstehung von „Papa“, dass diese Nummer oftmals falsch verstanden wurde, vor allem von den Reformierten, er dies aber als ein Liebeslied an seinen Vater sieht, dem er unbewusst immer ähnlicher wurde.

Als Stef sein erstes Album frisch gepresst in der Hand hielt, wollte er heim, es seiner Liebsten zeigen. Schlüssel vergessen, dumm gelaufen, so übernachtete er in einem Hundeverschlag ähnlichen Hotelzimmer, in dem die Matratze schon „lebte“. Auf dem Nachttisch sein erstes Album, auf das er so stolz war mit dem Titel „Is dit nou later“ (Ist dies jetzt Später?), sehr passend zur Situation. Wer hätte sich dies in diesem Moment nicht gefragt?

„De rivier“ (Der Fluss) erzählt davon, was ein Fluss in seinem langen Leben alles gesehen haben muss, ein Fluss, der immerzu durch die Städte und durch`s Land strömt, viel hört, viel sieht, was hätte der zu erzählen. Stef`s Fluss, der Rhijn, fließt durch Rhenen bei Utrecht.

Absolut spezial war ein Gedicht von Erich Kästner, was von Bos vor kurzem in Musik verpackt wurde. Deutsche Literatur in seinen Händen klingt wahnsinnig schön. Auch dieses Gedicht sang Stef auf Deutsch. Genauso wie ein Lied von Friedrich Hollaender und eine bekannte Nummer von Stefan Suhlke, die Stef vor Jahren in Herz und Ohren hängengeblieben ist. Stef erzählte zwischendurch, dass ihm deutsche Literatur sehr viel gegeben hat und noch immer gibt. In seiner Zeit auf der Schauspielschule hat er scheinbar fast alles verschlungen, was je in Deutschland geschrieben wurde, Hebbel, Brecht, Nietzsche etc.

„Vrouwen aan de macht“ (Frauen an die Macht), ein Traum von Stef, in dem die Frauen die Hosen anhaben, der General die Kinder zur Schule bringt, die Frauen im Restaurant bezahlen, die Männer liebevoll (!) über deren Witze lächeln, einen verständigen Eindruck hinterlassen. Nur wer starb in dieser Version am Stress? Die Frauen ... Verkehrte Welt? Nur eine Idee oder Wirklichkeit?

Dass Stef mit Herzblut und Power am Werk war, spürte man während „Wodka“; in dieser Nummer ließ er sein „russisches Blut“ aus „Sporen“ kochen. Vermutlich entstanden durch den selbstgebrannten Wodka seines russischen Lehrmeisters auf der Theaterschule in Antwerpen. „De macht van de muziek“ (Die Macht der Musik), „Morgen“, „De veldslag“ (Der Feldschlag), „Tussen de liefde en de leegte“ (Zwischen der Liebe und der Leere), „Ik heb je lief“ (Ich habe dich lieb) und „Troje“ (Troja) sowie noch ein paar andere wunderschön durchkomponierte, melodische und prächtig interpretierte Kompositionen folgten.

Nach Standing Ovations und drei Zugaben verabschiedete sich ein Stef Bos von seinem Oldenburger Publikum. Stef versprach, wiederzukommen, was doch sehr zu hoffen bleibt. Er hat einen bleibenden Eindruck hinterlassen, sich in die Herzen der Oldenburger gesungen, die diesen Abend Weltmusik sicher in Gedanken mit nach Hause genommen haben, genauso wie viele, recht amüsante Schoten aus Stef`s Vergangenheit. Auch vermisste man zeitweilig Jan von Looy (Akkordeon) und Francis Wildemeersch (Gitarre): Bos überzeugte solo total!

Eins hat Stef Bos mich gestern Abend gelehrt: Träume nicht dein Leben, lebe deinen Traum ...

https://www.theater-laboratorium.org/