Auf Shackletons Spuren

Ein Vortrag von Arved Fuchs und Lasse Rabenstein - 25. November

Als die Endurance 1915 im Packeis des Weddellmeeres einfror, endete Sir Ernest Shackletons großer Traum von der Durchquerung der Antarktis. Was folgte, war kein gewöhnliches Scheitern, sondern einer der gewaltigsten Überlebenskämpfe der Entdeckungsgeschichte.
Am 21. November 1915 sank der legendäre Dampfsegler endgültig in die Tiefe. Zurück blieben 23 Männer, gestrandet in einer weißen, erbarmungslosen Welt aus Eis, Sturm und Kälte – Tausende Kilometer entfernt von jeder Hilfe. Ihre Lage schien aussichtslos. Doch Shackleton und seine Mannschaft klammerten sich an etwas, das stärker war als Hunger, Erschöpfung und Verzweiflung: den unbeirrbaren Willen zu überleben.
Mit offenen Booten kämpften sie sich durch Eis und Meer. Schließlich wagten Shackleton und fünf Gefährten in der nur wenige Meter langen James Caird eine der kühnsten Rettungsfahrten der Seefahrtsgeschichte: über den wildesten Ozean der Erde, vom Rand der Antarktis bis nach Südgeorgien. Gegen jede Wahrscheinlichkeit gelang das Unmögliche. Im Jahr 1916 kehrten alle Männer lebend in die Heimat zurück.
Bis heute hat diese Geschichte nichts von ihrer Kraft verloren. Sie fasziniert Nautiker, Abenteurer, Wissenschaftler, Führungskräfte und Menschen, die wissen wollen, was bleibt, wenn alles verloren scheint.
Mehr als 80 Jahre später führte diese ungebrochene Faszination erneut ins Weddellmeer – auf zwei außergewöhnliche Expeditionen, die in diesem Vortrag erstmals gemeinsam erzählt werden.
Arved Fuchs nimmt das Publikum mit auf seine Fahrt in einem Nachbau der James Caird. Er erlebte und dokumentierte hautnah, welche Strapazen, Gefahren und Entbehrungen hinter Shackletons legendärer Rettungsfahrt standen. Seine Reise macht spürbar, was es bedeutet haben muss, in einem kleinen Boot gegen Sturm, Eis und die unberechenbare See des südlichsten Atlantiks zu bestehen.
Die zweite Expedition führte im Jahr 2022 zurück an den Ort, an dem die Endurance verschwunden war. Nach über 105 Jahren gelang es der britischen Expedition Endurance22, das Wrack in mehr als 3.000 Metern Tiefe wiederzufinden. In der Dunkelheit des Meeresbodens, bewahrt von Kälte und Zeit, lag das Schiff erstaunlich gut erhalten – ein stilles Monument menschlicher Kühnheit und antarktischer Geschichte.
Der Polarforscher Lasse Rabenstein, wissenschaftlicher Leiter der Endurance22-Expedition, berichtet aus erster Hand von der Suche nach dem Wrack: von den technischen Herausforderungen, den Risiken im Packeis, den wissenschaftlichen Zielen und den Momenten, in denen sich Geschichte und Gegenwart auf eindrucksvolle Weise berührten.
Im Zusammenspiel beider Vorträge entsteht ein faszinierender Kontrast: hier der nackte Überlebenskampf in einem kleinen Boot, dort eine hochmoderne Expedition mit Robotik, Sonartechnik und wissenschaftlicher Präzision im ewigen Eis des Weddellmeeres.
Beide Reisen sind Teil desselben Vermächtnisses: einer der berühmtesten gescheiterten Antarktisexpeditionen der Geschichte. Und beide werfen zugleich einen Blick auf die Antarktis von heute – auf das Meereis, seine Veränderungen und darauf, was sich in den mehr als 100 Jahren seit Shackletons Aufbruch im Süden unseres Planeten gewandelt hat.
Ein Abend über Mut, Scheitern, Führung, Wissenschaft und die unwiderstehliche Anziehungskraft einer Geschichte, die noch immer unter die Haut geht.
Link zur Endurance 22 Expedition: https://endurance22.org/
Link zu Arved Fuchs Expedition Shackleton 2000: https://www.arved-fuchs.de/de/vortraege?view=article&id=1435:shackleton-2000&catid=159:vortraege
 



Termine


09. Februar 2026 - 20:00 Uhr


 


 


 



 

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